Tierische Kurzgeschichten      Heitere & traurige Tiergeschichten Mehr Lesestoff entdecken Hundefreundlichkeit kann lebensrettend sein!   Vor einigen Jahren begab ich mich auf Wohnungssuche - kein leichtes Unterfangen, wenn man einen Hund zur Familie zählt. Viele Vermieter lehnen Hunde offenbar kategorisch ab. “Da können Sie aber lange suchen!”, war noch eine der freundlicheren Aussagen, die ich zur Antwort bekam, wenn ich auf eine Wohnungsannonce anrief und höflich fragte: “Ich habe einen Hund, wäre das ein Problem?” So frustrierend die Wohnungssuche auch war - ich hätte niemals einen Gedanken daran verschwendet, mich von Alex zu trennen. Und eines Tages hatten wir dann auch Glück:   “Einen Hund?”, die Vermieterin am anderen Ende der Leitung zögerte kurz. “Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht”, gab sie zu. “Wir hatten hier auch noch nie einen Hund im Haus”, zögerte sie weiter. Innerlich hatte ich schon mit dem Gedanken an diese Wohnung abgeschlossen, als die Vermieterin dann plötzlich kurz entschlossen vorschlug: “Ach, bringen sie den Hund doch einfach mal zur Wohnungsbesichtigung mit, dann werden wir schon sehen, ob wir uns verstehen.” Das war unsere Chance!   Schon als wir in den kleinen Anliegerweg einbogen und das gepflegte, kleine Häuschen am Waldrand erblickten, war mir klar: Hier wollte ich leben! Mit einem kurzen Blickwechsel schien mir Alex zu signalisieren: “Keine Sorge Frauchen, ich mach’ das schon.” Die Wohnung schien wie für uns gemacht, und Alex’ Charme tat sein Übriges - so bekamen wir eine spontane Zusage von der netten Vermieterin, die selbst in der Wohnung unter uns wohnte.  Nicht zuletzt über den legendären Charme unseres pfiffigen Wolfsspitzmischlings entwickelte sich schnell ein freundschaftliches Nachbarschaftsverhältnis und wir verlebten einige wunderschöne Jahre in unserer Traumwohnung.   Eines Nachts riss mich plötzlich ein aufgeregtes Winseln und Jaulen aus dem Tiefschlaf. Ungeduldig und sehr nachdrücklich zupfte mein sonst so ruhiger und ausgeglichener Hund an meiner Bettdecke. Da er mich sonst nie weckte, und jetzt völlig außer sich vor Aufregung war, wusste ich sofort: Irgendetwas musste passiert sein! Alex rannte die Treppe hinunter, und scharrte aufgeregt winselnd an der Wohnungstür unserer Vermieterin. Ich klopfte und rief nach ihr, doch in der Wohnung blieb alles ruhig. Wäre Alex nicht regelrecht in Panik gewesen, hätte ich der Privatsphäre unserer Vermieterin oberste Priorität eingeräumt und mich wieder hingelegt. So panisch hatte ich meinen Hund jedoch noch nie erlebt. Als ich nach mehrmaligem Rufen, Klopfen und Klingeln immer noch keine Antwort bekam, holte ich den Schlüssel, den ich für Notfälle bekommen hatte.   Alex ließ mir kaum Zeit die Tür zu öffnen. Er schoss in die Wohnung und bog zielstrebig um die Ecke, wo meine Vermieterin hilflos auf dem Boden lag. In Folge eines allergischen Schocks war sie zusammen gebrochen, bekam kaum noch Luft und war nicht mehr in der Lage um Hilfe zu rufen. Der eilig herbei gerufene Notarzt konnte sie retten, bestätigte aber, dass die Rettung in letzter Minute erfolgt war. Ohne Alex hätte niemand ihre lebensgefährliche Lage bemerkt, und sie hätte diese Nacht wohl nicht überlebt.   Als sie ins Krankenhaus gebracht wurde, legte sich Alex’ Panik. Seine Unruhe legte sich jedoch erst wieder, als sie wohlbehalten (und mit vielen Hundekuchen im Gepäck) aus dem Krankenhaus zurück kam. Obwohl wir inzwischen leider aus beruflichen Gründen noch einmal umziehen mussten, pflegen wir noch immer ein gutes Verhältnis zu unserer ehemaligen Vermieterin & Nachbarin. Ihre Tierfreundlichkeit war von Alex nicht nur täglich durch freudige Begrüßungen, sondern letztlich auch noch mit einer Lebensrettung belohnt worden.   Bleibt noch zu erwähnen, dass die Gerettete bei der Wahl des Nachmieters einer Familie mit Hund den Vorzug gab. Denn - einen Hund im Haus wollte sie nun nicht mehr missen … Tierlogo © Lydia Albersmann. Kopieren verboten! Foto: © Lydia Albersmann. Kopieren verboten! “HUND ZERFLEISCHT KIND”     Eine traurige Kurzgeschichte ... Wir sind allein im Zimmer, deine Mutter ist in Obergeschoss des Hauses. Ich mag dich, habe dich von Anfang an sehr gern gehabt. Ich nehme es dir nicht übel, dass du oft grob zu mir bist, du bist ja noch klein. Plötzlich findest du diesen Büro_Tacker, beginnst damit zu spielen. Du bist ja noch so klein, so neugierig, willst alles ausprobieren. Du tackerst Papier zusammen, jauchzt vor Freude. Ganz selten beschäftigt sich jemand mit dir, armes Kind, das musst du meist selbst machen, sie wollen nur ihre Ruhe haben ... Dann kommst du auf mich zu, mit dem Tacker in der Hand. Deine kleine Kinderhand greift nach meinem Schlappohr, und ... AU! Das hat weh getan! Ich jaule auf, doch du verstehst es nicht. Bist ja noch so klein, für dich ist es nur ein Spiel. Du greifst wieder nach meinem Ohr, ich will fliehen, doch wir sind in dem kleinen Zimmer eingesperrt. Du tust es wieder, wieder jaule ich laut auf, unter dem Schmerz. Du verstehst es nicht, denkst es wäre ein Spaß, ein lustiges Spiel. Ich bin dir nicht böse, du bist ja noch so klein. Du tust es wieder und wieder und wieder, ich kann dir nicht entkommen. Mein lautes Jaulen schallt durchs ganze Haus, doch niemand kümmert sich darum. Wo ist deine Mutter? Warum lässt sie uns wieder so lange allein? Warum hört sie mein Jaulen, meine verzweifelten Hilfeschreie nicht? Du rennst hinter mir her, drängst mich in die Ecke, tust es wieder. Wieder jaule ich gequält auf, dieses Mal noch lauter als zuvor. "Halt endlich die Schnauze du Scheißköter!", hallt die Stimme deiner Mutter durchs Treppenhaus. Sie nennt mich immer so, sie mag mich nicht besonders. Eigentlich hat sie mich nur gekauft, damit du etwas zum Spielen hast, und sie in Ruhe lässt. Sie will immer nur ihre Ruhe haben. Sie mag sich nicht um dich kümmern, und sie mag sich erst recht nicht um mich kümmern. Mein Ohr schmerzt, doch du lässt nicht von mir ab. Was soll ich nur tun? Ich will dir nicht wehtun, weiß du meinst es nicht böse. Du verstehst es nicht, weil dir niemand beigebracht hat, dass man Tiere nicht zum Spaß quälen darf. Niemand hat dir je beigebracht, dass auch ich Schmerzen empfinde. Sie wollen nur ihre Ruhe haben ... Wieder spüre ich diesen stechenden Schmerz, er macht mich rasend. Wieder versuche ich zu entkommen, doch es gelingt mir nicht. Ich will dir nicht wehtun, ich liebe dich doch! Du tust es wieder und immer wieder, der Schmerz wird unerträglich. Doch du hörst nicht auf, jagst mir eine Klammer nach der Anderen ins Ohr. Du kannst nichts dafür, du weißt nicht was du tust. Du bist ja noch so klein, verstehst es nicht. Schließlich kann ich nicht mehr, halte die Schmerzen nicht länger aus. Ich schnappe nach dir, mein Fangzahn streift dich an der Wange. Wir halten beide erschrocken inne, sehen uns einen Moment in die Augen. Ich wollte dich nicht verletzen, wollte nur dass es aufhört ... Du greifst dir mit deiner kleinen Hand an die Wange, und als du das Blut an ihr siehst, beginnst du zu schreien. Plötzlich geht alles ganz schnell. Deine Mutter kommt, reißt dich an sich. Dein Vater kommt, tritt brutal auf mich ein und schleift mich ins Auto. Er bringt mich zum Tierarzt. "Sofort einschläfern, die Töle hat mein Kind gebissen!", brüllt er aufgebracht. Der Tierarzt kennt mich. Er wundert sich, kann kaum glauben, dass ich das wirklich getan haben soll. Tränen schießen ihm in die Augen, als er die annähernd 100 Heftklammern in meinem Ohr sieht. Er streichelt mir sanft über den Kopf, dann greift er zur Spritze. Er muss es tun, ist vom Gesetz dazu verpflichtet ... Morgen werde ich die Sonne nicht mehr aufgehen sehen. Aber ich werde berühmt sein. Auf den Titelblättern aller großen Zeitungen wird mein Foto stehen. Darüber wird in großen Buchstaben geschrieben sein: "HUND ZERFLEISCHT KIND!" In den Artikeln wird es heißen: "Schon wieder fiel ein vermeintlich braver Familienhund grundlos ein Kind an und verletzte es schwer im Gesicht..." Vielleicht wird die Geschichte sogar im Fernsehen diskutiert. Viele Menschen werden dann entsetzt aufschreien, hitzig diskutieren, einige werden fordern, dass alle Hunde für immer eingesperrt werden sollten. Aber niemand wird sagen was genau geschah, denn das interessiert nur ganz wenige. Deine Eltern haben es den Medien so erzählt, und die waren sehr froh darüber. Die Menschen lieben Geschichten über wilde Bestien, das bringt hohe Auflagen und gute Einschaltquoten. Hohe Auflagen und Einschaltquoten bringen viel Geld, und das lieben die Menschen noch viel mehr. Ich habe die Menschen geliebt. Ich habe dich geliebt ... ***************************** Ich schrieb diese Geschichte, weil mich die Aussage eines Tierarztes nicht mehr losließ, derzufolge vor einiger Zeit tatsächlich ein Hund mit annähernd 100 Tacker-Klammern im Ohr zum Einschläfern in seiner Praxis abgegeben worden sein soll. Der aufgebrachte Vater hatte empört erklärt, der Hund habe "ohne jeden Grund" das Kind der Familie gebissen. Laut Aussage des Tierarztes, waren sich die Eltern keiner Schuld bewusst. Sie sahen die alleinige Schuld beim Hund. Das Kind wurde glücklicherweise nur leicht verletzt - die Wunde war nach wenigen Tagen ohne Narbe verheilt. Der Rest der Geschichte ist frei erfunden, Ähnlichkeiten mit wahren Begebenheiten sind rein zufällig. Sie ist diesem Hund gewidmet. © 2006 Lydia Albersmann. Urheberrechtlich geschützter Text, alle Rechte vorbehalten. Eine private oder kommerzielle Veröffentlichung, Vervielfältigung, auch auszugsweise, bedarf der ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung der Urheberin. Anfragen von Tierfreunden, die diese Geschichte veröffentlichen möchten, um damit zum Nachdenken anzuregen, sind immer willkommen! Dieser Copyrighthinweis ist Bestandteil der Geschichte und darf nicht entfernt werden!                             Mit einem Lächeln auf den Lippen lässt es sich einfach besser reiten                                              Oder: per Selbstüberlistung zum 'Easy Going' ...                                                 Eine heitere, und vielleicht auch hilfreiche Kurzgeschichte für Pferdefreunde Wir wissen es alle: Das Pferd ist nie Schuld, es liegt immer am "Piloten" wenn es nicht so läuft, wie der Reiter es wünscht. Es ist also grundsätzlich unsinnig, sich über das Pferd zu ärgern, denn die Fehler, die es macht, sind nichts Anderes als die logische Konsequenz aus fehlerhafter-, oder nicht eindeutiger Hilfengebung. Soweit die Theorie - aber mal Hand aufs Herz, liebe Pferdefreunde - wer hat sich nicht trotz dieses Wissens schon einmal über sein Pferd geärgert? Wer kann sich wirklich davon freisprechen, nicht schon mindestens einmal einen dieser 'bösen Gedanken' gehabt zu haben?   Wer hat nicht schon einmal genervt die Augen verdreht, wenn der geliebte Vierbeiner deutlich zu erkennen gab, dass ihn die auf der Weide grasenden Kollegen wesentlich mehr interessieren, als Traversalverschiebungen und fliegende Wechsel? Oder wenn die auf der Wiese herumtollenden Pferde es mal wieder wesentlich leichter hatten, die volle Aufmerksamkeit des Pferdes zu erlangen, als der sich mühende Reiter obendrauf? Kaum ein Reiter wird behaupten können, sich in solchen Situationen nicht schon einmal über das Pferd geärgert zu haben. Das ist wohl nur menschlich. Und doch wissen wir alle: Mit einem Lächeln im Gesicht, reitet es sich gleich viel lockerer. Wenn wir uns ärgern, bauen wir eine negative Spannung auf. Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir uns mehr auf den Ärger, als auf unsere Hilfengebung konzentrieren. Klingt alles einleuchtend, aber wie schafft man es nun, in solchen Situationen das Lächeln zu behalten und einfach ganz souverän und locker weiter zu reiten? Einen kleinen, aber sehr wirksamen Trick habe ich vor einiger Zeit - eher zufällig - aus einer ganz typischen Situation entwickelt:   Ich gab dem 13-jährigen Sohn einer Freundin Unterricht. Mit 13 sind die Kids von heute längst aus dem Alter raus, in dem sie Anweisungen einfach so hinnehmen, mit 13 wird auch gerne schon mal diskutiert. Es war einer dieser Tage, an denen mein kleiner Reitschüler in Diskutierlaune war, und seine Stute sich für alles zu interessieren schien, außer für die reiterlichen Hilfen. Ich weiß - es ist schwierig. Wer einmal auf einem Pferd gesessen hat, der weiß, dass es weitaus mehr ist, als sich spazieren tragen zu lassen. Auch wenn man theoretisch weiß was zu tun ist - es inder Praxis umzusetzen ist längst nicht so einfach, wie es oft aussieht. Unglaublich viele Muskeln müssen gleichzeitig benutzt, und doch voneinander unabhängig koordiniert werden. Und als wäre dies nicht schon schwer genug, sollen die Hilfen dann auch noch möglichst fein und exakt dosiert werden. Selbst wenn man die eigenen Schwächen und Fehler genau kennt, und immer wieder darauf hingewiesen wird - es ist nicht gerade leicht, sie einfach abzustellen. Tja, und dann macht auch noch das Pferd scheinbar was es will. Gründe genug, fand mein kleiner Reitschüler, an diesem Tag mächtig sauer zu werden. Hier ein paar Auszüge aus der Reitstunde:   Ich: "Stell sie mehr ein." Er, (quengeliger Unterton, genervter Gesichtsausdruck): "Die lässt sich aber nicht stellen!" Ich erkläre zum gefühlten 1077. Mal wie er sie stellen soll, und für einen kurzen Moment klappt es auch. Dann vergisst er leider wieder weiter zu reiten. "Reit sie mehr vorwärts, das ist kein Arbeitstrab!" Er hat die Beine nicht dran, hält keinerlei Körperspannung, hampelt mit Armen und Beinen, faucht genervt: "Die geht aber nicht vorwärts!" Ich korrigiere seinen Sitz, der sich daraufhin für satte 10 Sekunden bessert. "Bei B eine Volte." Er - mal wieder unkonzentriert - verpennt seinen Einsatz. Wendet erst eine gute Pferdelänge hinter B viel zu überfallartig ab, reitet eine seltsame, Osterei-ähnliche Figur. Dabei quengelt er lautstark: "Ach menno, die macht überhaupt nix heute!" Geduldig erkläre ich ihm zum x-ten Male, dass es an seiner mangelnden Konzentration lag, und er nicht immer dem Pferd die Schuld geben soll. Die nächste Volte wird zwar etwas runder, doch leider fällt die Stute mittendrin aus, weil ich beim besten Willen nicht so schnell korrigieren kann, wie er heute Fehler macht.   Das Angaloppieren geht ebenso daneben wie das Schulterherein, einfach nichts scheint gelingen zu wollen an diesem Tag. Nein, ich verlange nichts von ihm, womit Pferd oder Reiter überfordert wären. Es sind alles Dinge, die beide eigentlich ganz locker beherrschen. Vorausgesetzt, der junge Mann da oben drauf konzentriert sich, hört zu und setzt das um, was ich ihm sage. Aber dazu ist er heute zu beschäftigt. Stattdessen quengelt er unaufhörlich, schiebt mit weinerlicher Stimme die Schuld aufs Pferd: "Die macht aber nicht, die tut aber nicht, die will aber nicht! Die geht aber nicht!" Klar - bei so viel Jammerei bleibt natürlich keine Zeit, sich auch noch auf eine korrekte Hilfengebung zu konzentrieren! Und nicht nur das - der junge Mann ist auch überhaupt nicht mehr aufnahmefähig für das, was ich ihm erklären will. Er steigert sich so sehr in die "ich-armes-Kind-das-Pferd-ist gemein-zu-mir-Rolle" hinein, dass ich schließlich energisch eingreifen muss: "Jetzt ist aber mal Schluss mit dem Gejammer!" rufe ich ihn zur Ordnung, "jetzt stell dir mal bitte vor was hier los wäre, wenn deine Stute sprechen könnte!" Mein Reitschüler sieht mich verdutzt an, scheint aber nicht zu verstehen, worauf ich hinaus will. Ich helfe nach: Indem ich seinen quengeligen Ton exakt imitiere, versuche ich zu erraten, was die Stute wohl zu jammern hätte: "Ach menno, der gibt aber nicht die richtigen Hilfen! Der sitzt überhaupt nicht richtig! Der hat aber heute eine unruhige Hand! Wie soll ich denn wissen, was der will, wenn der do oben so blöde rumhampelt? Und warum soll ich mich überhaupt konzentrieren, wenn der sich nicht konzentriert?" Einen Moment lang herrscht eisige Stille in der Halle. Ich habe das Gefühl, die kleinen Zahnräder im Kopf meines Reitschülers rattern zu sehen. Und plötzlich muss er lachen. Wir legen eine kurze Schrittpause ein, in der ich ihm nochmals in aller Ruhe erkläre, dass sein Pferd nichts, aber auch wirklich gar nichts tut, um ihn zu ärgern. Kein Pferd handelt in der Absicht seinen Reiter zu ärgern, auch wenn viele dies manchmal glauben. Ich erkläre ihm auch, dass eine undeutliche Hilfengebung in etwa die gleiche Auswirkung hat, als würde ich ihn anweisen: "Mach mal Dings da!", und dann sauer werden, wenn er nicht versteht was ich damit meine. Das leuchtet ihm ein. Er ist jetzt entspannt, und somit auch aufnahmefähig für meine Erklärungen. Nach einigen Runden lasse ich ihn die Zügel wieder aufnehmen, und siehe da - plötzlich klappt alles. Er ist konzentriert bei der Sache, und seine Stute ganz locker und ebenso konzentriert an den Hilfen. Plötzlich läuft es wie am Schnürchen. Nur eine Lektion geht fast daneben. Aber anstatt zu meckern, grinst mein Reitschüler plötzlich breit, und korrigiert sich selbst, noch bevor ich etwas sagen kann. Die Lektion reitet er dann ganz sauber, geradezu vorbildlich aus. "Warum grinst du denn jetzt so?", will ich wissen.   "Weil ich gerade wieder meckern wollte", lächelt er, "aber genau in dem Moment habe ich mir vorgestellt, was meine Stute wohl in diesem Moment zu jammern hätte. Im Geiste konnte ich sie regelrecht hören." Er fängt wieder an zu kichern und es dauert eine Weile, bis er sich wieder gesammelt hat. "Dann hab ich mich einfach darauf konzentriert, ihr keinen Grund zum Meckern zu geben, und es hat sofort geklappt!", berichtet er, offensichtlich überrascht von der schnellen Wirkung dieser Selbstüberlistung. Der Rest der Stunde war ein Kinderspiel ... Inzwischen ist dieser Trick, der mir so spontan einfiel, vielfach erprobt und hat sich bestens bewährt! Die deutliche Vorstellung des jammernden und meckernden Pferdes zaubert dem Reiter unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht, löst negativen Spannungen und macht den Kopf frei für konzentrierte Hilfengebung. Probiert es doch mal aus!   Logo Pferd  © Lydia Albersmann. Kopieren verboten! Lust auf mehr tierische Kurzgeschichten?     Einige heitere Kurzgeschichten aus der Sicht meines Mischlingshundes Alex erzählt, findet ihr Sie in seinem Online-Tagebuch Alex' DogBlog.   Sämtliche Inhalte dieser Website (Texte, Grafiken & Videos) sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Verwendung der Inhalte / Bilder ohne gültige Nutzungslizenz bzw. ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Urheberin ist strafbar. © Lydia Albersmann & Lizenzgeber. Alle Rechte vorbehalten.  Pferdelogo © Lydia Albersmann. Kopieren verboten!